Dienstag, 9. Oktober 2007
Freihafengeschichte 04/07 DUD - HH
Eigentlich ist eine Menge passiert … doch davon liest man auf unseren Seiten nichts. Manchmal sagt ein Bild alles.



Wir sind zurück in Deutschland … der Abschied von Neuseeland und unseren Freunden fiel uns schwer. Von dem beschaulichen DUD verschlug es uns nach Berlin Friedrichshain … statt menschenleerer Strände nun der Treptower Park, wo dicht gedrängt die Sonnenhungrigen neben Berliner Unrat Pigmente haschen. Doch beruflich bedingt muß ich zwischen Berlin und Greifswald pendeln und so unterhalten wir eine liebevoll genannte kleine Ferienwohnung in einem Altersheim der Stadt. So können wir zumindest am Wochenende ab und zu die Ruhe und die Strände des Nordens genießen.

In den nächsten Beiträgen werden wir die letzten Monate „aufarbeiten“. Dabei wird es etwas durcheinander gehen, da alles an einem Stück zu schreiben und zu lesen zuviel wäre. Die erste Geschichte handelt von unserem Umzug nach Berlin.

Unser kleiner Umzug von DUD nach Berlin verlief eigentlich relativ problemlos. In Dunedin machte ich mich auf die Suche nach einer Spedition. Gut 3,5 Kubikmeter und 330 kg mußten nach Deutschland. Die Preisspanne war gewaltig: zwischen umgerechnet 400 bis 2000 Euro war alles bei. Wir entschieden uns für das 400 € -Angebot … eine Spedition, die sich eher auf Schüttgüter spezialisiert hatte, ab und zu aber auch Umzugsgut transportierte bzw. den Transport vermittelt (ICON Logistics Dunedin). In DUD lief alles perfekt: wenig Papier und wenig Rennerei. Die Listen für den Zoll etc. gaben wir vorbildlich ab. Alles war perfekt … dies bestätigte auch die Agentur, die die Organisiertheit der Deutschen wohl genausten kannte. In unserem Auto brachten wir die Kisten in ein Lager am Hafen von Dunedin. Man erwartete uns schon und so luden wir die Sachen auf eine Europalette … diese nahm wie geplant ihren Weg von Dunedin nach Christchurch über Singapur nach Hamburg. Nach gut sechs Wochen bekamen wir den genauen Ankunftstermin. Da ich schon früher wieder in Deutschland war als Ulrike holte ich unsere Kisten von Hamburg ab. Mit einem Kleinlaster ging es in den Hamburger Freihafen. Der Schuppen war schnell gefunden, die Kisten machten alle eine prächtigen Eindruck und es wurde alles schnell verladen. Nun sollte es sofort nach Berlin gehen … doch so kann nur ein Freihafen- und/oder Importunerfahrener denken. An der Zollstelle wurde ich angehalten und eine nette Zollbeamtin erklärte mir zunächst das weitere Vorgehen. Den Plan im Kopf ging es zu Zollabfertigung … da stand ich nun: alles was ich hatte war eine bezahlte Rechnung. Die Zollerklärung die man uns bat bereits in Neuseeland abzugeben war jedoch nicht bei. Der Zollbeamte fragte mich, wo denn die Zollerklärung sei … der Hinweis auf die uns gegebenen Informationen in DUD halfen nicht … es fehlte die Zollerklärung. Der Zollbeamte war zunächst ratlos, sah dann jedoch den pädagogischen Nutzen dieses großen Fehlers: drei Auszubildende hatte er zu unterhalten! Und die waren gut vier Stunden mit mir bestens unterhalten: Erstellung einer Zollerklärung und prüfen des Umzugsguts. Die meiste Zeit kostete mich die Inhaltslisten der Kisten und einen Nachweis über Ulrikes Aufenthaltsdauer zu organisieren. Alles sollte auf dem Rechner beim Zoll landen … doch der war gut gesichert und ließ erstmal nichts durch. Das Faxgerät war die Rettung. Ulrike fuhr nachts ins Büro in DUD und schickte die Erklärung zur Aufenthaltsdauer und Sören schickte über einen Freund die Inventarlisten, die noch auf meinem Computer lagen … alles kam rechtzeitig zum Feierabend des Zollbeamten zusammen, der schon langsam unruhig wurde. Die Zollerklärung war komplett. Nun ging es an die Prüfung des Umzugsguts. Geprüft wurde, ob es sich wirklich um gebrauchte Güter handelte. Bei meinem Surfzeug konnte der Zollbeamte seinen Auszubildenden leicht zeigen, das es gebraucht ist. Nun zeigte sein Finger auf eine andere Kiste … ausgerechnet in der waren Sachen, die wir noch nicht wirklich lange hatten, zudem auch noch originalverpackt waren. Ich öffnete die Kiste: „Was das denn?“ fragte der Beamte. Eine Mikrowelle die wir uns gleich zu Beginn unseres Aufenthalts gekauft hatten. „Aha“. Der Beamte begutachtete skeptisch … schließlich wies er die Auszubildenden auf die Schleifspuren an den Kontakten des Steckers hin. Diese belegten den gebrauchten Zustand. Es war ein wirklich netter Kontakt zwischen uns vieren entstanden. Nicht alle Kisten sollten geöffnet werden. Deshalb schickte man mich zur Container-Prüf-Anlage kurz CPA. Die CPA ist einfach beschrieben ein großes Röntgengerät. Der LKW oder in meinem Fall Kleintransporter wird durch dieses Gerät gezogen und geröntgt. Ich hatte es geschafft. Nun ging es wieder zur Ausfahrt aus dem Hamburger Freihafen, wo ich fragte, ob ich Richtung Hannover nach Berlin komme. Der Zöllner im Häuschen war unsicher … sagte schließlich ja. Meine Unsicherheit war dadurch aber nicht geschwunden und so entschied ich über das Hamburger Zentrum zu fahren … einen Weg den ich kenne. Ich folgte einem Schild Hamburger Zentrum … doch plötzlich war ich wieder in dem Freihafen „NEIN“. Was nun: ein Beamter wurde gefragt … gibt dort reichlich von diesen … dieser schickte mich zu einem Häuschen, in dem es Passierscheine gibt. Ich fragte, doch der meinte ich müsse erst zur CPA. War ich schon, erwiderte ich, worauf er ohne aufzublicken wieder meinte ich müsse zur CPA. Nochmals wiederholte ich: „da war ich bereits“ … „sie müssen zur CPA!“ Ich fuhr zur CPA und erklärte meinen Fehler. Der Beamte meinte, ich müsse zur Rampe 3, da „wird Ihnen geholfen“. Auf dem Weg zur Rampe 3 fragte ich noch eine weitere Beamtin, die meinte Rampe 4 oder 5 … egal, es war schließlich Rampe 3. Da der Transporter noch verplombt war ging es dann auch ziemlich zügig. Der rauhe Ton der dort herrscht – gerade zwischen den LKW-Fahrern – ist schon gewöhnungsbedürftig. Meine entscheidende Frage, wie ich nun nach Berlin komme beantworteten sie prompt … mehrsprachig.

Nach insgesamt fünf Stunden Hamburger Freihafen ging es endlich nach Berlin. Ich war verdammt fertig, doch die greifbaren und riechbaren Erinnerungen an DUD warteten in den Kisten auf uns.

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Schrottpeter 06/07 Berlin
Am 01.06.2008 bezogen wir unsere Wohnung in Berlin Friedrichshain: 4. OG, Blick auf die Spree … nun gut, auf die Spree mit einem auf der gegenüberliegenden Uferseite befindlichen Kieshafen …, Dielenfußboden, Balkon … eine Wohnung zum Wohlfühlen. Nur eine Sache störte: eine riesige aus Eisen bestehende Durchreiche zwischen Küche und Wohnzimmer. Es war sofort bei der Entscheidung für die Wohnung klar: sie muß raus. Der Vermieter war einverstanden. Wir erklärten uns für die Entsorgung bereit. Er gab uns die Telefonnummer seines Schrotthändlers der Vertrauens: Schrottpeter. Ich machte mit Schrottpeter einen Termin: Montag 12.00 Uhr wollte er die gut 80 kg Schrott abholen. Am Montag warteten wir gespannt auf einen LKW oder wenigsten Kleintransporter … niemand kam die Straße hoch. Plötzlich klingelte es: Schrottpeter stand vor der Tür. Ein kleiner sympathisch wirkender nach Schweiß riechender Mann mit einem Helm unter dem Arm … „wie, ein Helm!? Sind sie mit dem Moped hier?“ fragte ich überrascht. „Ja, das machen wir immer so“ sprach er ruhig. Ich bat ihn hinein und er schaute sich das Ungetüm an. „Flexen können wir hier nicht … wegen der Dielen“ … richtig … „Ich rufe meinen Kumpel an, dann schaffen wir das runter und dann zerflexen wir das unten“. Sein Kumpel kam ... mit dem Moped. Er schaffte es kaum in den vierten Stock. Schrottpeter feuerte ihn immer wieder an: „Komm Wolfgang, nur noch ein paar Stufen.“ „Wolfgang ist fertig … 20 Jahre Schrott … das macht einen fertig“. Wolfgang schwitzte. Sein Bauch war eine fast perfekte Kugel. Mir war sofort klar: Wolfgang ist jemand der mit dem Kopf seit 20 Jahren durch die Wand geht … doch das hat Spuren hinterlassen. Schrottpeter war der Denker … Wolfgang das Werkzeug, leider nur etwas abgenutzt. Wolfgangs Vorschlag, das Ungetüm einfach aus dem Fenster zu schmeißen wurde von Schrottpeter wohlüberlegt verworfen: „Spinnst Du! Da stehen doch Fahrräder.“ Schließlich brachten Schrottpeter und ich es hinunter … Wolfgang schnaufte immer noch vom Hochlaufen. Unten angekommen zerlegten die beiden es mit der Flex: Schrottpeter gab Anweisungen … Wolfgang versuchte sie umzusetzen. Das Ungetüm war klein und paßte nun auf die Anhänger der Mopeds.



Die beiden waren glücklich … wir auch und so bedankten wir uns mit einem Benzinzuschuß. Ein wirklich uriges Berliner Gespann.

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