Mittwoch, 25. Oktober 2006
DUD News 24.10.2006 - Catlins
Der gestrige Montag war frei: Labour Day – der 1. Mai Neuseelands. Bereits am Freitag fuhren wir deshalb auf ein verlängertes Wochenende in den etwa 80 km südlich von Dunedin gelegenen Catlins Forest, dessen Landschaft im Reiseführer als eine „höchst reizvolle, aber ziemlich abgeschiedene und teilweise sumpfige Hügellandschaft mit ausgedehnten Wäldern, tosenden Wasserfällen und von heftiger Brandung zerrissener Küste“ (Baedeker, Neuseeland) beschrieben wird. Ein derartiger Text in einem Reisekatalog sollte dem wachsamen Leser zu denken geben! Denn eigentlich kann dieser nur bedeuten, daß man auf Hilfe in der Not lange warten wird, wobei diese zu rufen so oder so nicht funktioniert und während man im Sumpf langsam versinkt auch noch von den aggressiven Sandflys angegriffen wird. Sollte man dennoch entkommen, bleibt anstelle des Bades im Pazifik nur eines unter einem der vielen Wasserfälle, auf dessen Weg möglicherweise wieder Sümpfe lauern. In einem anderen Reiseführer klingt es schon etwas „sympathischer“: „You will see nothing like it elsewhere on the South Island’s East Coast, and really nothing like it anywhere” (NZ Guides, Dunedin). In diesem wird auch schon mal von goldenen Stränden und 200 Meter hohen Steilküsten gesprochen. Der Name des Catlins Forest geht auf einen Walfänger zurück, der um 1840 hier große Ländereien von den Maoris erwarb (Baedeker, Neuseeland).

Da wir über die Catlins außer den dort vorkommenden Sandflys nur Gutes gehört haben, machten wir uns trotz einer grausigen Wettervorhersage (eisiger Südwind mit Regen und Schnee) Richtung Nugget Point – dem touristischen Aushängeschild der Catlins – auf den Weg, mit der Hoffnung, daß sich die neuseeländischen Meteorologen irren würden. Wir hatten Glück: es war zwar recht frisch, dafür hatten wir aber viel Sonne und nur gelegentlich Regen.


Küstenlandschaft in den Catlins

Die Nacht verbrachten wir auf einem kleinen Parkplatz am Nugget Point in ständiger Angst, von dem in dieser Region als besonders berüchtigt und heimtückisch geltenden Possum angegriffen zu werden. Doch nicht das lustige Zottelwesen sollte Probleme bereiten. Vor allem Dirk mußte feststellen, daß ein Fell dieses Nagers besser gewesen wäre, als zwei der aus Kunststofffasern bestehenden Sommerschafsäcke. Ein Punkt geht hiermit an die neuseeländischen Meteorologen, die mit der Kältevorhersage zumindest für die frühen Morgenstunden Recht behielten. Wir konnten uns auch trotz eines wunderschönen Sonnenaufgangs nicht durchringen, den Weg zu dem Leuchtturm am Nugget Point zu dieser frühen und eisigen Stunde zu gehen.

Bevor die ersten Touristen eintrafen verließen wir den Ort und sind über die typischen Gravelroads an die Cannibal Bay zum Frühstück gefahren. Mit Blick auf die Bucht, deren Name an die Überfälle und Gemetzel des gefürchteten Maori-Anführers Te Rauparaha in den 1830er Jahren erinnert (Baedeker, Neuseeland), wurde das Frühstücksei gekocht und mit dem morgendlichen Toast verzehrt. Danach fuhren wir weiter entlang der Küste.


Dieser Anhalter wartet schon etwas länger!

Ein Wegweiser wies auf Jack’s Blowhole hin. Wir entschieden uns dem Hinweis zu folgen und nach einer gut zwanzigminütigen Wanderung erreichten wir Jacks Blowhole.


Auf dem Weg zu Jack’s Blowhole

Leider ließ die Dünung zu wünschen übrig und Jack schwieg. Dafür verdunkelte sich jedoch bedrohlich der Himmel und der Wind legt ordentlich zu. Nur durch einen Schlußspurt entkamen wir einem heftigen Regenschauer. Zurück im Auto entschieden wir uns einen Stellplatz für die kommende Nacht zu suchen. Auf unserer Suche kamen wir am Florence Lookout vorbei.


Blick vom Florence Lookout auf die Tahakopa Bay

Von dem Aussichtspunkt schaut man auf Tahakopa Bay. Wir entschieden uns an dieser Bucht die Nacht zu verbringen. Zunächst stellten wir uns unmittelbar an den Strand, doch der einsetzende Südwind ließ die Temperaturen wieder empfindlich sinken … zweiter Punkt für die neuseeländischen Meteorologen …, so daß wir unseren Panoramablick gegen einen kuscheligen Parkplatz hinter den Dünen tauschten.


Abendbrot mit Panoramablick




Tahakopa Bay

Am nächsten Morgen ging es nach einem ausgedehnten Frühstück in der Sonne weiter. Wir wollten eine gut achtzigminütige Wanderung zu den Cathedral Caves machen. Leider war der Wanderweg aufgrund von Hochwasser gesperrt. Obwohl unser Tidenkalender etwas anders angab, hielten wir uns an das Verbot und verschoben die Wanderung auf einen unserer nächsten Ausflüge in die Catlins. Wir fuhren zu zwei der Wasserfälle: Matai und Purakaunui.


Matai Falls


Purakaunui Falls

Da wir am Samstagmorgen den Sonnenaufgang am Nugget Point verpaßt haben, wollten wir nun wenigstens den Sonnenuntergang sehen. Zudem bot es sich an, dort auch gleich noch die Pinguine zu beobachten. Auf dem Weg zurück fuhren wir noch an die Surat Bay – eine langgestreckte Bucht mit vielen Seelöwen (New Zealand fur seals (kekeno)).




New Zealand fur seals(kekeno) an der Suart Bay



Am Nugget Point angekommen richteten wir uns in der Station zur Beobachtung der seltenen Gelbaugenpinguine (hoiho) ein. Obwohl wir lange ausharrten, reichte unsere Geduld jedoch nicht und wir machten uns nach gut zwei Stunden weiter auf den Weg zum Leuchtturm, um den Sonnenuntergang nicht zu verpassen.


Lechtturm am Nugget Point



Neben den New Zealand fur seals und unzähligen Seevögeln kann man am Nugget Point auch Seelephanten (Southern elephant seals (lhupuku)) beobachten.



Wir kamen mit einem netten Ehepaar aus Dunedin ins Gespräch. Aufhänger dieses war ein Pullover mit dem Aufdruck der Reederei Hamburg Süd. Es stellte sich heraus, das die Frau im Hafen von Port Chalmers arbeitet, sie beide ursprünglich aus Wales kommen, seit mehr als 40ig Jahren in Neuseeland leben und obwohl sie es lieben, jedes Jahr zurück in ihre Heimat reisen, da sie Heimweh haben. Wir erzählten viel. Für die Beobachtung der Pinguine empfahlen sie uns Amoroana in der Nähe von Port Chalmers. Der Mann erzählte in diesem Zusammenhang eine lustige Geschichte die er mit Freunden erlebte, denen er auch Pinguine zeigen wollte. Diese zeigten sich jedoch nicht an diesem Tag und die Freunde machten sich etwas lustig über ihn. Auf den Weg zurück fand er jedoch Spuren eines Pinguins im Sand und er wies die Freunde darauf hin. Sie lachten jedoch nur, denn sie hatten vergeblich schon mehrere Stunden am Strand gewartet und ihr Glaube an die Fähigkeiten des Naturfreundes waren geschwunden. Der Mann meinte, es handele sich um einen Blaupinguin. Wieder gab es nur ein mitleidiges Lachen. Außerdem wies der Mann auf die merkwürdige Stellung der beiden Füße hin und meinte, das es dem Pinguin wohl nicht besonders gut gehe. Auch darauf hin gab es nur Gelächter. Doch als sie um die nächste Sanddüne kamen lag ein Blaupinguin nach vorn übergefallen mit dem Schnabel in dem Sand und war tot … der Ruf des Naturfreundes war gerettet.



Nach einem schönen Sonnenuntergang fuhren wir nach Dunedin zurück und am Montag kauften wir dann gleich noch einen Daunenschlafsack, da die Geschäfte trotz Feiertag geöffnet waren und sich mit Sonderangeboten überschlugen.